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  • AutorenbildMichael Gerhardt

Nacht der Nächte

Aufnahmezeitpunkt

21.04.2024 gegen 10.30 Uhr

Aufnahmeort

westlich vom Stadtkern Dippoldiswalde

Wetter

trocken, 2°C

Kameras, Objektive

Nikon D800E mit Nikkor 80- 200mm f1/2.8

Nikon Z50 mit 400mm f1/4.5 Canon FD S.S.C.


Stadtkern Dippoldiswalde ohne Stadtkirche mit Nikon D800E und Nikkor 80-200mm f1/2.8, volle Auflösung

Stadtkern Dippoldiswalde mit Nikon D800E und Nikkor 80-200mm f1/2.8, volle Auflösung

Es ist Sonntag und es ist kalt, am Himmel bemüht sich der Mond in die wenigen Wolkenlöcher zu hüpfen. Auf Feldern um Dipps blüht der Raps und genau das ist es, was mir die letzten Tage immer mal wieder im Hinterkopf arbeitet. "Es sollte doch gelingen das nächtliche Dippoldiswalde mit einem Rapsfeld im Vordergrund abzulichten." Heute ist der Tag, oder besser die Nacht. Aber welche Ausrüstung soll mit? Weitwinklig fotografieren geht aus Erfahrung nur schwer, weil die guten Aussichtspunkte weit vom Stadtzentrum entfernt liegen. Ein bestimmtes Plätzchen, eine kleine Wiese im Westen des Stadtkerns schwebt mir vor. Hier hatte ich im Winter einige interessante Bilder von der Dippser Kernstadt hinbekommen.


Dippoldiswalde aus dem Westen aufgenommen, Nikon Z6 mit Nikkor 40mm f1/2.0

Damals hatte ich nur 40mm Brennweite dabei und kam so nicht nahe genug ans Filetstück heran. Und daher: Heute wird mit ordentlich Tele nachgelegt. Wie sich später herausstellte war eine Kamera/ Objektivkombination genau die richtige, die andere naja war auch mit.


Nikon D800E mit 80-200mm f/2.8 mit schwerem Silk Stativ, hat ordentlich abgeliefert

Nikon Z50 mit 400mm f/4.5 Canon FD, zwei Bilder waren scharf, es war wohl zu wackelig

Der Anmarsch führt aus Reichstädt kommend in ordentlicher Dunkelheit durch Wald, vorbei am Rapsfeld und über die erwählte Wiese. Die zwei Kamerakombinationen inklusive Stativen sorgen dafür, das mir nicht kalt wird.


extremes LED Licht im Einkaufsgebiet nahe Tankstelle machts der Kamera schwer, eines der ersten Testfotos, im Hintergrund der Luchberg, Nikon D800E

Es ist sehr ruhig, Wind geht keiner und ab und an schaut der Mond durch den Wolkenvorhang. Dann wird es echt hell. Wie oft nutze ich eine Kopflampe mit rotem Licht, weil das nicht blendet und auch die Tierwelt am wenigsten stört, außerdem sieht mich so der Jäger. Doch ich laufe nicht übertrieben leise, will ja keine Wildschweine küssen.


Sobald die Stative mit den Kameras stehen, werden noch ein zwei Einstellungen gesetzt und es kann losgehen. Das alte Spiel der Fotografie, schon immer war es so. Finde das richtige Verhältnis von Brennweite zu Verschlusszeit zu Blendenöffnung. Und nein, in der Nacht siehst du im Sucher oder auf dem Bildschirm nicht was du bekommst. Vielleicht könnte ein Automatikprogramm hier helfen - wohl eher nicht, es würde nicht so werden, wie ich es haben will.


Ist die Blende zu weit offen, habe ich eine geringere Schärfentiefe, was bei dem großen Abstand zur Stadtkirche nicht weiter tragisch ist, aber viele Objektive sind weit offen nicht so richtig scharf. Wiederum kann ich mit größter Öffnung auch die kürzeste Verschlusszeit realisieren. Das ist wichtig, wenn ich runde Sterne statt Strichen haben will - das Universum hält auch beim Shooting nicht stille. Ach- und der ISO- Wert - ganz vergessen. Früher entschied man sich für einen 800er ISO/ASA Film und damit war die Entscheidung durch. Heute kann ich das in der Kamera digital selbst wählen und auch so den Brei ordentlich verderben (hoher ISO- Wert = viel Rauschen, niedriger ISO Wert = zu dunkle Bilder).

Wie ich versuche diese Zusammenhänge aufs Papier, äh den Bildschirm zu bringen, erkenne ich mal wieder: Das ist gar nicht so einfach! Manches macht man allein aus Erfahrung und Bauchgefühl. Das "fetzt ein", - finde ich.


aus dem Bild könnte man was machen, wenn es nur scharf wäre, Nikon Z50 mit 400mm f4.5 Canon FD

Also Zusammenfassung: Ich muss die Kameras in Kombination mit Objektiv und Stativ kennen, wissen welche Einstellungen diese vertragen und im dunklen Bild, dem Rohdiamanten, bereits das fertig entwickelte WOW - Foto erahnen. Manchmal komme ich von der Jagd, stecke die Karte in den PC und bin maßlos enttäuscht - weil ich's nicht drauf hatte und aus eigener Dummheit gescheitert bin. "Das kann er also auch nicht!". Aber welche Freude, wenn's passt und Belichtung, Bildausschnitt und Schärfe einfach grandios sind. Zumindest für meine Verhältnisse. Da bin ich wieder bei meinen zwei Kamera- Objektivkombinationen. Die Nikon Z50 mit dem übergewichtigen 400mm Canon Objektiv nahm auf meinem leichten Reisestativ Platz. So habe ich vom ganzen Nikon Z50 Abend nur zwei scharfe Bilder - diese Kombi geht also gar nicht. Mensch es war nicht mal Wind und ich gab der Kamera 10s Vorauslösung zum ausschwingen, dennoch die meisten Bilder sind nicht richtig auf den Punkt scharf. Ich dachte schon die uralte 400mm Lady bringts nicht mehr, doch zwei ordentlich scharfe Bilder beweisen meinen Fehler.


Stadtkirche Dippoldiswalde, eines der zwei scharfen Bilder mit der Nikon Z50/ 400mm Kombination

Die Nikon D800E mit dem ebenfalls recht alten 80-200mm Objektiv hat nur sehr wenig Ausschuss produziert (Autofokus daneben). Diese Bilder kommen auch bei 100% Vergrößerung sehr detailliert daher.


100% Ausschnitt aus einem Bild der Nikon D800E

Es ist Montagmorgen gegen 00:10 Uhr und es ist kalt, am Himmel bemüht sich der Mond in die wenigen Wolkenlöcher zu hüpfen. Hinter mir raschelt es, ein Hase oder Fuchs? Vom Waldrand ruft der Rehbock und in der Stadt flackern Lampen. Das könnte ich länger aushalten, wenn's nur nicht so kalt wäre. Ab nach Hause!

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