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  • AutorenbildMichael Gerhardt

"Nikon 1V2 eine Hassliebe"

Aktualisiert: 23. Apr.

Habe ich mich geärgert dieses Ding gekauft zu haben? Doch, ja das habe ich mehr als einmal getan. Ehrlich, ich dachte irgendwann verkaufe ich die wieder, oder ich vergesse sie einfach in ihrem Lagerort, einem alten silbernen Fotokoffer.


meine Nikon1V2 mit dem FT1 Adapter und dem Nikkor 50mm 1.8G, aufgenommen mit der Olympus OMD EM-5II und 25mm 1.8


Wo fange ich an? Nun, meine erste Nikon war eine D3300. Keine besonders gute Spiegelreflexkamera aber auch kein Schrott. Danach entwickelte ich Video Ambitionen und so zog 2020 eine Nikon Z6 mit dem Sigma 24-70 2.8 ART bei mir ein. Aus heutiger Sicht sicher zu hinterfragen, doch bereut habe ich es nie. Die Z6 ist bis heute mein "bestes", naja vielleicht mein neustes Pferd im Stall. Es zieht mich eben mehr zu den Anfängen.


Ich fotografiere regelmäßig mit verschiedensten Kameras, die ich mir wegen irgendeiner Besonderheit kaufe. Und die Nikon 1V2 hat mich enttäuscht. Wie wurde das Nikon 1 System doch auf diversen Websites gelobt. (Schau mal bei Steve Huff vorbei). Aber im ernst, wer eine Z6 regelmäßig in den Händen hält, wird von der 1V2 gnadenlos niedergedrückt. Enttäuschen ist im Grunde ein positives Wort, weil es zurechtbringt was daneben ist. Mir gingen die Augen auf, welche gewaltigen Unterschiede zwischen dem Nikon 1 und dem Nikon Z System liegen. Da hat sich wirklich was verändert. Sind wir ehrlich, das Nikon 1 System ist der Versuch mit wenig Investition viel aus den Kunden herauszuholen. Habe ich das nicht liebevoll gesagt? Hätte ich 2013 solch eine Kamera zum Neupreis von 700€ gekauft, nein das stelle ich mir lieber nicht vor. Bei mir waren es mit dem Set Objektiv und einiger Abnutzungsmacken auch noch über 200€. Ich wollte doch auch dieses gelobte Ding haben.


Bitte beachte 2013 war jede anständige Spiegelreflexkamera von Canon, Nikon, Pentax, Sony und wie sie nicht alle heißen dem Nikon 1 System mit seinem 2,7-fachen Crop* weit überlegen. Und für 700€ gab es so Einiges.


Ja was stört Dich? Was mich stört? Zwei Einstellräder, super  Werbung, ich kaufe fast nie eine Kamera, die nicht mindestens zwei Einstellräder hat. Ich bin eben ein reiner "M" Fotograf*. Eines bei der 1V2 ist diese Art umringte Schaltwippe, die nach einigen Jahren fast immer ein Eigenleben entwickelt, übrigens egal bei welchem Hersteller. Die Panasonic LX100, ich liebe diese Kamera und ich hasse deren hinteres Einstellrad. Es bleibt in einer Zwischenposition hängen und tut dann irgendwas. Es bringt mich zum Verzweifeln. Die Canon G1X erster Generation hat die selbe Unart verbaut. Bediene die mal im Dunkeln bei Kälte. Ich versichere Dir Du wirst das nicht vergessen. Und die 1V2? Während ich darüber nachsinne was ich besser nicht schreiben soll, drehe ich am hinteren Einstellrad. Unglaublich, es quietscht. Irre! Mit diesen Dingern werde ich mich nie anfreunden. Das obere Einstellrad kann auch gedrückt werden. Das finde ich eine sehr nette Idee, die ich sonst von keiner meiner Kameras kenne. Dann gibt es das Moduswahlrad. Nun ich mag die professionellen Nikons sehr, auch deshalb, die haben nämlich kein solches Rad. Wozu auch? Ich würde es nicht merken, wenn jemand das Rad aus dem Gehäuse bricht und es dann zum kaschieren heimlich mit Sekundenkleber auf die Kamera klebt. Solange da "M" ausgewählt ist, gibt es keine Motivation dran herumzudrehen. Hätte ich einen Wunsch, das Rad wäre bei jeder meiner Kameras frei belegbar. Dann hätte ich nämlich an einer vernünftigen Stelle, zumindest an der 1V2 ist das so, mein zweites ordentliches Einstellrad. Eben halte ich die 1V2 an mein Auge. Und drehe mit dem Daumen mal das Moduswahlrad und mal das rechts daneben liegende Einstellrad. Ja das wäre gut. Es muss nicht unbedingt das übliche Zeigefinger- Einstellrad sein.


Nikon 1V2 mit dem 10-30mm Kitobjektiv, nachträglich im Lightroom entrauscht

Soll ich weiter wettern? Vielleicht über das eigenartig banale Menü. Fotografiere mal mit einer Olympus und nimm dann die Nikon 1V2, deren Menü ist echt primitiv. Manchmal suche ich und finde dann nichts, weil es das Gesuchte nie gab. Oder das Kit Objektiv 10-30mm 1:3,5-5,6. Das fungiert bei mir als besserer Sensor Schutzdeckel . Nimm das lieber nicht zum Fotografieren. Dann kannst Du wirklich nichts besser als ein Smartphone Fotograf (komisch ich habe dennoch etliche Bilder damit geschossen). Den Ein- und Ausschalter, da komme ich auch nicht drüber hinweg. Nikon kann das besser als irgend ein anderer Hersteller. Kamera hochnehmen und dabei einschalten und beim Senken wieder ausschalten. Ein Schalter als Ring um den Auslöser mit wunderbarem Druckpunkt - eine echte Freude. Nimm nun die 1V2. Aussehen tut's ja auch so, aber es schaltet nicht, sondern es tastet nur an. Man weiß also nie, ist die Kamera an oder aus, man muss es kontrollieren. Wenn ich etwas an meiner ersten Digitalkamera der Minolta Dimage A1 wirklich gehasst habe, dann war das der Einschalt- Taster, wie kann ein gesund denkender Ingenieur ... .


Minolta Dimage A1, Einschalten über Taster, Wer erfindet so was?

Du wirst es nach diesen Zeilen nicht glauben, aber ich vergebe einer Kamera so ziemlich jede Bedien- und Ergonomieschwäche, wenn die Bildqualität stimmt. Hier wartete für mich anfangs die größte Katastrophe, bitte erinnere Dich ich komme von der Nikon Z6. Im Lightroom saß ich fassungslos vor einem Haufen körniger Pixel. Ja zoome mal mit 100% in ein ISO 160 (1V2 Basis ISO*) Bild hinein. Du wirst sehen was ich meine. Wie konnte man dieses Gekrissel als gute Bildqualität bis ISO 800 bewerten (Digitalkamera.de)? 


Nikon 1V2, 100% Bildausschnitt

Nikon Z6, 100% Bildausschnitt

Dennoch endet meine Geschichte mit dieser Kamera hier nicht!

Ich kann heute nicht genau sagen weshalb, aber es ist so, regelmäßig hole ich dieses kleine Ding aus seinem Versteck und nehme es mit auf Wanderung. Nein, nicht zu den wichtigen Ausflügen und auch nie in den Urlaub, einfach so im Alltag. Mein Workflow ist sehr einfach. Ich fotografiere "M"* und "RAW"* und entwickle jedes Bild. Bilder die etwas haben, sende ich an mein Google Konto und so kann auch meine Frau zeitnah am Geschehen teilhaben.


Nikon 1V2, mit irgendeinem manuellen Nikon Objektiv, der FT1 Adapter ist Pflicht!

Irgendwann scrollte ich mal wieder am Smartphone durch, "Mensch da sind aber viele 1V2 Bilder dabei!. War mir gar nicht bewusst." Nun das hat sicher auch mit dem Adapter für den Nikon F- Mount zu tun, den ich dann aus Sentimentalität noch ergatterte. - Einfach um dem System noch eine letzte Chance zu geben. Schnalle mal ein 50mm 1,8 an die 1V2. Das ergibt den Bildausschnitt eines 135mm mit Lichtstärke 1.8. Einige meiner liebsten Fotos meiner Kinder sind mit dieser Kombi entstanden. Oder setze mal ein SIGMA 85mm 1,4 an. Der Look entspricht dann 230mm mit wirklich schöner weicher Freistellung.


Nikon 1V2, mit einem manuellen Nikon E Series Objektiv, sehr wahrscheinlich 135 f/2.8, Bild ist stark beschnitten
Nikon 1V2, SIGMA 85mm 1.4

Was nun, ist es doch eine gute Kamera? Nein, für mich überwiegen die Nachteile, insbesondere wegen des Rauschens bereits bei Basis ISO. Aber die Kamera hat etwas, was ich mir lange nicht eingestehen wollte. Ich greife danach, immer wieder, insbesondere mit dem 50mm 1,8. Was stört mich bei einem tollen Portrait das bisschen Rauschen, denn der Look kann gewaltig sein. Die 1V2 ist leicht und liegt sehr gut in der Hand. Nicht so gut wie die Nikon Z50 die man wohl genau nach meinem Handabdruck entwickelt hat, aber dennoch sehr gut. Und sie hat brauchbare Displays. Kürzlich begleitete mich die Minolta Dimage A1 und deren Nachfolger die Konica Minolta Dimage A2. Die haben katastrophale Displays, danach die 1V2 zu nehmen ist Balsam für die Augen. Sicher, die Minoltas kommen aus einer anderen Epoche , aber es ist doch ernüchternd, wie man damals das Bild herbei-raten musste.


Nikon 1V2, Sigma 85mm 1.4


Fazit: Kaufe sie Dir nicht, wenn Du nur eine Kamera mit guter Bildqualität haben willst. Da sind bei begrenztem Geldbeutel auch heute noch die Spielgenreflexkameras ab 2010 oft die bessere Wahl. Brauchst Du aber ein kleines Testspielzeug, um mal eben aus einem 70- 200mm ein 190- 540mm zu machen. Dann wirst Du sicher Deine Freude haben.


Worterklärung

*2,7-facher Crop: Vulgärwissenschaftlich gesagt, entspricht ein 50mm 1.8 Objektiv an der Nikon 1 einem 135mm 1.8 an Vollformatkamera. Der Nikon 1 Sensor ist also deutlich kleiner. Korrekt gesagt entspricht der Bildausschnitt einem 135mm Objektiv, die Lichtstärke bleibt bei f/1,8. Die Bildwirkung weicht dagegen von einem 135mm Vollformatobjektiv ab, da wir im Grunde einen Ausschnitt eines 50mm Bildes erhalten. Ein echtes 135mm Objektiv hat beispielsweise eine höhere Bildverdichtung durch die Telebrennweite (Vergrößerung). Die Blende f/1.8 bleibt bestehen hinsichtlich Lichtstärke aber nicht im Punkt Freistellung. Hier gibt es eine größere Schärfentiefe.


*Basis ISO: Beim Basis ISO - Wert des Sensors sollte man die beste mit dieser Kamera erreichbare Bildqualität erhalten, korrekte Belichtung vorausgesetzt. Bei den meisten Kameras liegt dieser Wert zwischen ISO 64 und 200. Bei neueren Kameras spielt dies immer weniger ein Rolle, da bei denen ISO - Werte jenseits der 3200 noch immer gute Bilder liefern. Dennoch, wer die beste Bildqualität haben möchte, sollte den Basis ISO Wert seiner Kamera kennen.


*RAW: Fotografieren im RAW Format, bedeutet die Rohdaten des Sensors zu nutzen, um in der Entwicklung/ Nachbearbeitung die meisten Möglichkeiten zu haben. Diese Dateien haben mehr Informationen als JPGs sind aber auch größer.


*Lightroom: Adobe Lightroom ist eine Software zum entwickeln und bearbeiten von digitalen Bildern/ Fotos.

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